Mein Erbe oder wie alles begann: Lederhaube, Fliegerbrille und ein 250 ccm Motorrad …

Begonnen hat alles mit meinem großen Bruder. Als „nervtötende“ kleine Schwester durfte ich nur selten mitfahren – und wenn, dann musste ich mir die Fahrt durch Putzen verdienen. Doch die Gene gewannen: Denn mein Papa war in den 50ern mit einer 250ccm-Maschine als einzigem Fortbewegungsmittel unterwegs. Mit Lederhaube und Fliegerbrille ging es zur Arbeit oder mit Mama als Sozia zum Verwandtschaftsbesuch. Heute ist er 100 Jahre alt, kerngesund und lässt sich chauffieren – einen Autoführerschein hat er nämlich nie besessen.

Von Zahlen und Flausen oder dem Mut die Dinge anders zu machen…

Vielleicht habe ich genau das von ihm geerbt: Den Mut, Dinge anders zu machen – ganz ohne Rücksicht auf die Zahl in meinem Ausweis. In dem steht zwar 56, aber gefühlt bin ich 28 Jahre – und das schon seit langer Zeit. Dabei bin ich Vollzeit-lebensfreudige Ehefrau, Mama, Oma, Schwester, verlässliche Kollegin und Nachbarin. Und ja, ich bin auch die durchgeknallte Freundin, die auf Zuruf mit Wein und Pizza oder alternativ mit Müllsack und Schaufel kommt.

Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und geballte Lebensfreude auf zwei kurzen Beinen. Ein komprimiertes Bündel Energie mit mehr Flausen im Kopf, als allgemein für „normal“ gehalten wird. Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben – ich bin halt unschubladisierbar!

Prioritäten, Prüfungen und neue Zeitrechnungen

Und genau dieses ‚unschubladisierbare‘ Bündel Energie suchte sich irgendwann ein Ventil. Wie bei so vielen Frauen, hatten meine Kinder und Job lange Zeit Vorrang, aber als das Nest schließlich leer wurde, erinnerte ich mich an das Mädchen mit der Lederhaube. Als die Kids aus dem Haus waren, schlug endlich meine Stunde. Während andere Frauen in die Midlife-Crisis schlitterten, rockte ich in zehn Wochen die Fahrschule zwischen lauter Teenies. Aus den ersten 1.500 Kilometern allein auf meiner Kawa ER6n wurden die „Bikerfreunde Diemelsee“. Anfangs haben mich die Jungs noch väterlich unter die Fittiche genommen. Zehn Jahre später organisiere ich die Touren und darf – oder muss – ständig als Guide vorfahren.

Von „Kilometerfressern“ und kurzen Bikerinnen

Ein Wendepunkt war die Begegnung mit den „Kilometerfressern“ auf der Messe in Dortmund. Dort sah ich zierliche Mädels, die demonstrierten, wie man ein umgefallenes Motorrad rückenschonend aufhebt. Das hat mir so imponiert, dass ich sechs Wochen später selbst als „Aufhebe-Vorführerin“ am Stand stand.

Kilometerfresser

„Egal, wie verrückt eine Idee ist – es findet sich immer ein Kilometerfresser, der mitmacht“. Dabei ist es völlig egal, ob männlich oder weiblich, alt oder jung, groß oder klein und erst recht egal ist die Marke des Motorrads. Wichtig ist die Leidenschaft, Motorrad zu fahren – viel Motorrad zu fahren. Nicht im Rahmen eines Wettbewerbs, sondern als Gemeinschaft, die sich als Ziel gesetzt habt, jährlich 2 Millionen Kilometer zu „erfahren“. Jeder einzelne Mitfahrer und Kilometer zählt. Außerdem gibt es Stammtische, Wintertreffen, Messeauftritte und viele geplante oder spontane Touren. Kein Club, kein Verein, keine Rangordnung, sondern eine Vielfahrergemeinschaft.

Gewusst wie: Vroni hat Spaß beim Motorradaufheben auf dem Messestand der KILOMETERFRESSER.

Gewusst wie: Spaß beim Motorradaufheben auf dem Kilometerfresserstand, Motorradmesse

Kurze Bikerinnen – Wenn die Beine kürzer sind als die Abenteuerlust

„…denn sind wir mal ehrlich: Bei unter 1,60 m Körpergröße wird die Suche nach dem passenden Untersatz schnell zur Detektivarbeit. Ich weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn man an der Ampel nur mit den Zehenspitzen den Asphalt kitzelt oder im Laden vor Motorradhosen steht, die eher für Stelzenläufer gemacht scheinen.

Genau deshalb ist mir die Facebookgruppe ‚Kurze Bikerin‘ so ans Herz gewachsen. Hier bin ich nicht nur ein Mitglied unter 2.500 Mädels, sondern finde mich in jeder Frage wieder: Welche Fahrschule hat ein Herz (und ein niedriges Bike) für uns? Wo gibt es Stiefel, die heimlich ein paar Zentimeter dazuschummeln?

Beim Jahrestreffen zeigt sich dann die wahre Magie: Da stehen 40 Motorräder, auf denen ich endlich mal nicht nur ‚draufsitze‘, sondern die Kontrolle habe. Ein Wochenende unter Gleichgesinnten, bei dem der Bauchmuskelkater vom Lachen inklusive ist – und die Erkenntnis, dass wahre Größe definitiv nicht in Zentimetern gemessen wird. 😂“

Das Leben passiert, während man plant…

Man sollte meinen, mein Terminkalender sei voll genug. Aber wie das Leben so spielt, passieren die Dinge oft genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Beitrag… .

„ Was Freiheit für mich bedeutet …

Freiheit bedeutet für mich, auf dem Motorrad eins mit der Umgebung zu sein – die Natur zu spüren, die Umgebung zu riechen, die Beschleunigung und jede Kurve zu erleben. DAS lässt mich lächeln und die Verschmelzung von „Mensch und Maschine“ bewusst wahrnehmen.
Wenn ich Motorrad fahren kann, ist meine Welt rund! Ich komme schon wieder ins Schwärmen 🤩…